Fiktive Unterrichtsplanung einer Präsenzstunde passend zum Lehrvideo

Inhaltsverzeichnis

  1. (Fiktive) Unterrichtsvorbereitung im Fach Deutsch. 2
  2. 1. Thema der Unterrichtsstunde:. 2
  3. 2. Sachanalyse:. 2
  4. 3. Lernziele:. 6
  5. 4. Verlaufsplan. 7
  6. 5. Vorüberlegungen und Entscheidungen. 8

 

  1. (Fiktive) Unterrichtsvorbereitung im Fach Deutsch

Datum: 25.07.2014

Zeit: 10.15 – 11.00 Uhr

Klasse: 12. Klasse

  1. Thema der Unterrichtsstunde:

Die durch das Video vermittelten Grundkenntnisse  über die Epoche des „Sturm und Drang“ anhand von Textarbeit zu vertiefen und dadurch Inhalte anzuwenden.

  1. Sachanalyse:

Thema und Inhalt dieser Stunde ist die Vertiefung des Epochenbegriffs des Sturm und Drang. Grundlage dafür bieten zwei verschiedene Texte(„Prometheus“ und ein Ausschnitt aus Schillers „Die Räuber“), die auf Merkmale der Epoche hin untersucht werden sollen.

Zum Sturm und Drang:

Die Epoche des Sturm und Drang lässt sich zusammen mit der Empfindsamkeit als Resultat der Aufklärung betrachten. Während sich in der Aufklärung (1720-1800) die Auffassung des Menschen als denkendes Wesen und Individuum verbreitete sowie festigte und dieses Denken sich auch in der Literatur niederschlug, entstand mit der Empfindsamkeit ein gefühlsbetonte Literatur. Dies rührte daher, dass die Ausrichtung der bürgerlichen Gesellschaft auf Verstand resp. Vernunft dazu führte, dass jene Prinzipien zu Formen von Unterdrückung und Herrschaft missbraucht wurden. Gegen jedwede Arten von Unterdrückung wandte sich die bürgerliche Gefühlskultur. Die Literatur nahm diese Impulse auf und übertrug sie auf die damalige Welt der Stimmungen und Leidenschaften. Die Zeit des Sturm und Drang war angebrochen (1765-1790). Der Begriff des Sturm und Drang selbst rührt von Maximilian Klingers gleichnamigem Drama her, in dem sich ein junger Mann gegen die veralteten Gesellschaftsformen auflehnt.

Insgesamt wird die neue Literatur der jungen Autoren von einem gemeinsamen Wunsch getragen. Dem Wunsch nach Freiheit und nach Autonomie. Ernst Bloch spricht von einem „Durst nach Selbstvergötterung“, Maler Müller vom „Emporschwingen so hoch als möglich. Ganz zu sein, was man fühlt, dass man sein könnte. Es liegt doch so ganz in der Natur.“. Diese Berufung auf die Natur in der Nachfolge von Rousseau ist für das Verständnis einiger Werke, die der Epoche des Sturm und Drang entspringen, wichtig. Die jungen Autoren selbst streben nach Gottgleichheit. Der Gedanke der sich dahinter versteckt spielt in Goethes „Wilhelm Meister“ eine Rolle, worin es um die Auslebung der in sich ruhenden Anlagen geht. Letztendlich geht es um die Totalität des menschlichen Vermögens, die von der Gesellschaft möglichst nicht beschnitten und somit ermöglicht wird, damit sich bestimmte Anlagen entfalten können. Auch Lenz beschreibt den Sturm und Drang mit folgenden Worten: „Man sehnt sich nach dem größten Gefühl seiner Existenz, seiner Fähigkeiten, seines Selbst, nach der ganzen Größe seiner Bestimmung. Nach der größten Triebfeder unseres Wesens. Die alles aus uns herauswindet, was wir werden könnten.“ Dieses Zitat beschreibt die Vorstellung, dass die Kreativität resp. das, was in einem Menschen angelegt ist, sich in seiner Sozialisation entfalten können darf und nicht unterdrückt wird. Des Weiteren führt die Einsicht in die Einschränkungen in „welche die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind“[1] zur Suche nach Wegen und Auswegen. Die ästhetische Ausbildung alles menschlichen Vermögens soll gerade das verhindern, was im Fall Werthers beispielsweise in eine Existenzkrise und schließlich in ein tragisches Ende ausläuft. Doch schon  der „Werther“, wie auch die Dramentexte aus dem Jahr 1776 zeigen, dass es sich als schwierig gestaltet, alle menschlichen Anlagen stattfinden  zu lassen. Vor allem im 18. Jahrhundert werden die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse als hindernd und defizitär empfunden werden, was die Auslebung der Anlagen erschwert. Der Bürger selbst hat keine Chance auf eine erfolgreiche Laufbahn, weshalb die politischen Hoffnungen des Bürgertums meistens in den ästhetischen Bereich abgedrängt werden. In seiner Besprechung zu Goethes „Götz von Berlichingen“ sagt Lenz es sei „ein trauriger niedertrübender Gedanke, eine ewige Sklaverei, ein Ball anderer zu sein.“. An diesem Zitat wird die Fremdbestimmung des einfachen Bürgers kritisiert. Diese Kritik ist einer der Gründe, weshalb sich auch die Form des Dramas[2] im Zuge des Sturm und Drang ändert. Theater und Kunst werden zu dieser Zeit zudem zu einer Art Ersatzwelt, wobei mythologische Figuren, wie beispielsweise Prometheus, zu symbolischen Vorbildern der Autonomie werden. Dem ganzen Geniekult obliegt somit ein Gefühl des Mangels, wodurch die sogenannten „Höhenflüge“ der Stürmer und Denker erst zu verstehen sind. Von Gerstenberg über Lavater, Goethe, Lenz, Klinger bis hin zu Wagner steht die Literatur im Zeichen einer Befreiung vom Herrschaftsegoismus, von politischen und sozialen Zwängen.

Die Kritik der Stürmer und Dränger selbst bleibt jedoch recht irrational. In ihren Dramen herrscht eine gesellschaftsfeindliche Grundstimmung vor. Es werden zwar Äußerungen sozialen Unbehagens und konkrete Vorführungen dieser Unterdrückung getätigt, jedoch wird keine Konsequenz aus den Missständen gewonnen resp. ein konkreter Lösungsansatz zur Verbesserung dieser gefunden. Kritisch ist deshalb oft angemerkt worden, dass in Summa die Bewegung des Sturm und Drang ein recht vages und emotional grundiertes Freiheitsbegehren ist.

Politisch fühlen sich diese jungen Autoren ohnmächtig und so verwundert es nicht, wenn sie ihre Charaktere so konzipieren, dass sie ihnen weniger moralische und politische Wertvorstellungen in den Mund legen, sondern deren Deformation zeigen. Schon im „Werther“ ist eine Kritik des Geniegedankens und damit auch eine Selbstkritik Goethes vorhanden, was daran zu erkennen ist, dass dem Werther augenscheinlich nichts zu gelingen scheint. Die überbordende Kreativität des Werthers stellt sich somit als nicht produktiv heraus. Auf der einen Seite wird mit „Den Leiden des jungen Werther“ eine starke Sozialkritik an der Gesellschaft ausgeübt, auf der anderen Seite hingegen werden Werthers Ideale überzeichnet, wodurch dem Leser bewusst wird, dass jene Ideale nicht tragen. Schon in der Hochphase der Geniebewegung gibt es demnach skeptische Stimmen.

Nach dem Dramenjahr 1776 verebbt die Begeisterung für den Sturm und Drang ziemlich schnell. Bereits Ende der 1970er Jahre wird die Bezeichnung „Sturm und Drang“ zu einer Formel, die dazu benutzt wird, den ehemaligen Anspruch als ästhetisch inakzeptabel zurückzuweisen. Schon die Zeitgenossen neigen dazu den Sturm und Drang als ein literarisches entwicklungspsychologisches Durchgangsstadium zu begreifen. Bis in die jüngste Forschung hinein hat sich diese Vorstellung vom Sturm und Drang, als einem Durchgangsstadium, welchem etwas anderes und besseres folgen muss, gehalten. Diese Sicht kann und muss jedoch als veraltet angesehen, fast schon als defizitär beschrieben, werden. Wird sich auf eine solche Sicht berufen so kommt es zu Problemen den jungen Schiller zu erklären, der etwa zehn Jahre später mit „Die Räuber“ thematisch offenkundig an den Sturm und Drang anknüpft und keineswegs ein Nachhall der Bewegung  ist, sondern ihr ein ganz neues Gesicht verleiht.

Die „Sturm und Drang“-Autoren der ersten Generation begreifen den Menschen aus einem ganzheitlichen, leibseelischen Zentrum und stellen seine Deformierungen dar, die aber immer Deformierungen durch die sozialen Umstände sind. Vor dem Hintergrund der gezeigten Deformierung wird im Grunde die leibseelische Ganzheit als Ideal eingefordert. Schiller sieht die Ganzheitlichkeit des Menschen gar nicht mehr als Möglichkeit, sondern hat eine dualistische Auffassung des Menschen im Zentrum seiner Betrachtungsweise. In seiner Dissertation „Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur“ (1780) macht Schiller einen Dualismus zwischen Geist und Triebnatur aus. Der Mensch bestehe, so Schiller, aus diesen zwei, in Balance zu bringenden, Elementen. So will er auf eine Synthese, also einem ausbalancierten Verhältnis zwischen diesen beiden Kräften, hinaus, doch anders als bei seinen Vorbildern ist diese Ganzheit nur möglich, indem die Spaltung zunächst akzeptiert wird. Für die „Kraftmenschen“ bedeutet das, dass sie ihr Recht nicht mehr in sich tragen. Schillers Charaktere stehen  in einer Spannung zu einer moralischen, normativen Ordnung und dem Selbst, also dem menschlichen Wesen. Ihre Größe erweist sich daran, dass sie sich, so unvollkommen diese Ordnung auch sein mag, jener in freier Selbstbestimmung unterwerfen. Erst in dieser Möglichkeit der freien Selbstvollendung resp. Selbstbestimmung angesichts einer unvollkommenen Welt erfüllt sich bei Schiller die Bestimmung des Menschen zu einer göttlich gewordenen Vollendung. Darauf Bezug nehmend hat für Schiller das Theater vor allem eine moralische Anstalt zu sein. Dort wo für ihn die weltliche Gerichtsbarkeit versagt beginnt für ihn die Gerichtbarkeit der Bühne.

„Die Räuber“ selbst erzählt von der Geschichte der beiden ungleichen Brüder Franz und Karl Moor. Franz der jüngere Bruder, welcher hässlich von Geburt ist und zusätzlich als Zweitgeborener von der Erbfolge des Hauses Moor ausgeschlossen ist, ist trotz seiner Benachteiligung, gebildet und ein Schüler der Aufklärung, wodurch er alle moralischen Grundsätze und Gebote des aufgeklärten Denkens kennt. Seine Klugheit resp. seine Kenntnisse benutzt er jedoch um sich, auf Kosten seines Vaters und seines Bruders, zum Herrn der Familie zu erheben. Franz unterschlägt einen Brief, den sein Bruder Karl an den Vater geschrieben hat und indem dieser bereut ein etwas lockeres Studentenleben geführt zu haben. Franz der ganz genau weiß, dass der Vater Karl verzeihen würde, ersetzt den Brief durch einen von ihm selbst verfassten Brief, wonach der in Leipzig weilende Student Karl ein steckbrieflich gesuchter Räuber geworden sei. Franz ließt den gefälschten Brief seinem Vater vor, der fortan glaubt sein ältester Sohn habe ihm Schande gemacht. Unter der Wirkung des Briefes bricht der Vater fast zusammen, was Franz unberührt lässt, der durch erfundene, heuchlerische Geschichten und Prognosen Karl in ein noch schlechteres Bild zu rücken versucht. Er selbst hingegen gibt sich dem Anschein von Treue, Redlichkeit, Pflicht und Sorge um den Vater, sodass dieser sich überreden lässt Franz die Antwort an Karl zu überlassen. An dieser Stelle zeigt sich die Schwäche des Vaters, eine Geringfügigkeit die sich zu etwas Schrecklichen weiterentwickelt. Das Schreiben von Franz, welches Karl im Kreise seiner Kameraden erreicht, erscheint diesem so überzogen, dass er eine Räuberbande gründen will.

Mit für die Zeit beispielloser, psychologischer Eindringlichkeit lässt der junge Schiller in Franz die Stimme des Unterdrückten zu Wort kommen. In einem längeren Monolog werden dessen innere Beweggründe deutlich. Alles was die Aufklärung propagandiert[3] benutzt Franz um seine Taten nach Außen hin zu verschleiern, aber im Inneren seine Interessen durchzusetzen. Franz Moor kennzeichnet sich durch seine Rationalität und der unübertroffenen Ruchlosigkeit, mit der er seine Handlungen und Verbrechen begeht, um Macht und Herrschaft zu erlangen, aus, wobei er am Ende doch von seinem Gewissen eingeholt wird über das er vorher selbst gespottet hat. Schiller sieht in Franz somit jemanden, der in sich das ganz Laster, mitsamt seinem ganzen inneren Redewerk, aber auch mit seiner ganzen kolossalischen Größe, verkörpere. Somit stellt Franz eine Figur dar, die sich über alles, was die sittliche Natur des Menschen gebietet, was menschlich erscheint, was Empathie und Mitleid bedeutet, hinwegsetzt. Hier wird der Geniegedanke der Stürmer und Dränger aufgegriffen, den Schiller mit einer absolut negativen Konnotation ausgestaltet. In der Gestalt des Franz entwickelt Schiller das erste Psychogramm eines bösen Tyrannen in der Weltliteratur. Sein Charakter verkörpert die kriminelle Seite der instrumentellen Vernunft und rebelliert im Grunde gegen eine unzureichende Ordnung, auch wenn seine Motive niedrig erscheinen mögen. Ihm entgegen steht sein Bruder Karl, der offen gegen die misslichen Verhältnisse ankämpft. Franz Zweifel an der bestehenden Ordnung der Welt, an einer das Walten Gottes offenbarenden Natur und an den Bindungskräften der Familie, sind Zweifel, die der aufgeklärte Geist selbstkritisch gegen seine eigenen Ideale richtet. Es bestehen somit auch am Ende des Stückes Zweifel und Fragen, die nicht aufgelöst werden können.

  1. Lernziele:

Grobziel

Die Schüler und Schülerinnen sollen erste Kenntnisse über die Epoche erlangen und diese Kenntnisse vertiefen, indem sie sich mit Texten der Epoche auseinandersetzen.

Feinziele

Die Schüler und Schülerinnen sollen…

  1. ihre bisherigen Kenntnisse aktivieren, indem sie diese auf beispielhafte Texte anwenden.
  2. den bewussten Umgang mit Begrifflichkeiten üben und wissen, was mit dem „Geniegedanken“ gemeint ist und wie der Begriff der „Natur“ in dieser literarischen Epoche geprägt wird. Verlaufsplan
Zeit Phase/Fein-ziel Geplantes Lehrerverhalten Erwartetes Schülerverhalten Sozialform/ Interaktionsform Medien/

Material

  1. -meth. Kommentar
10.15 Uhr

1‘

Einstieg -Begrüßung

 

-Begrüßung -normale Sitzordnung -beliebtes Ritual
10.16 Uhr

5‘

Wiederholung / Erarbeitung

(FZ 2)

-L. fordert zu der Wiederholung auf -wiederholen das Gelernte -normale Sitzordnung

-Unterrichtsgespräch

-ggf. die Tafel -Sprechanlass

-Vorbereitung auf die Anwendung

10.21 Uhr

25‘

Anwendung

FZ 1

FZ 2

-L. erläutert den Arbeitsauftrag und verteilt die Arbeitsblätter

-fordert zur Gruppenarbeit auf

– leistet Hilfestellung

-beendet Arbeitsphase

-bearbeiten ihre Arbeitsaufträge

– finden sich zu Gruppen zusammen

– fragen bei Bedarf nach Hilfe

-Gruppentische

– Gruppengespräche

-Arbeitsblatt – Gruppenarbeit fördert Kommunikation und Zusammenarbeit

– Motivation und Sprechanlass

-handelnde Schüleraktivität

10.46 Uhr

14‘

Sicherung

(FZ 1)

(FZ 2)

-L. erkundigt sich nach den Ergebnissen der SuS

-Sammlung und Visualisierung der Ergebnisse auf einer OHP-Folie

– stellen Vermutungen an bzw. tragen ihre Ergebnisse vor

-äußern ggf Klärungsbedarf

 

-normale Sitzordnung

–  Unterrichtsgespräch

– Arbeitsergebnisse

– Overheadprojektor; Folien; Folienstifte

– Würdigung, Kontrolle und Korrektur der Sus-Arbeitsergebnisse

– Visualisierung zum besseren Verständnis

 

1.5 Vorüberlegungen und Entscheidungen

Der Stundeneinstieg findet innerhalb der gewohnten Sitzordnung statt. Zur Einführung und Hinführung  zum Thema dient eine kurze Wiederholungsrunde in der die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben ihr Wissen zu präsentieren, es gleichzeitig zu reflektieren und zu erweitern. Des Weiteren dient diese Phase dazu, die Schüler anzuregen sich aktiv in den Unterricht einzubringen.  Eine Hinführung zum Thema als solches ist bereits durch das Video vorweggenommen sodass sich stärker der Anwendungsphase gewidmet werden kann. Zur Durchführung der Anwendungsphase wird sich in Gruppen zusammengefunden, was ein Kollektiv resp. ein Gemeinschaftsgefühl entstehen lässt und einen angemessenen Rahmen bietet. Die Schüler und Schülerinnen mögen diese Sozialform, da sie ihnen die Möglichkeit bietet, den sozialen Umgang und den gemeinsamen Wissensaustausch zu fördern. Nachdem die Schüler(innen) Zeit haben, ihre Aufgabe zu bearbeiten, wird sie im Plenum besprochen. Der Overheadprojektor dient dabei einer visuellen Darstellung der Aufgabe, bei der die Schüler mit einbezogen werden, indem sie ihre Ergebnisse vortragen und überprüfen. Die Visualisierung der Ergebnisse fungiert dabei einerseits als Unterstützung verschiedener Lerntypen und lenkt andererseits die Aufmerksamkeit der Schüler wieder auf das Wesentliche sodass sie ihnen die Möglichkeit gibt, sich in den Unterricht einzubringen.

 

[1] Zitat aus Goethes „Die Leiden des jungen Werther“

[2] Die aristotelische Form eignet sich nicht mehr zur Darstellung der Probleme

[3] Ehrlichkeit, ein Gewissen zu haben, über Gut und Böse nachzudenken

Endreflexion

Rückblickend betrachtet habe ich in dem Seminar „Mediengestütztes Lernen – Konzepte. Anforderungen. Design.“ viel über das Lernen und Lehren mit Medien erfahren. Anfängliche bloße Vokabeln, wie „flipped classroom“, „E-Portfolio“, „virtual classroom“, „Wikis“ und „MOOCs“ füllten sich mit Inhalten und haben mich ein Stück weit kompetenter werden lassen in der Diskussion medienbasierter Lernkonzepte. Durch die neu gewonnenen Erkenntnisse kann ich, wie eingangs erhofft, reflektiert eine Beurteilung der Vor- und Nachteile dieser Lernangebote abgeben. Zudem hat sich mein Wissen hinlänglich der nötigen Kompetenzen einer Lehrkraft bei mediengestützten Lehrangeboten grundlegend erweitert, sodass ich, sollte ich später in Erwägung ziehen eines dieser Konzepte im Unterricht anzuwenden, weiß, welche Bedingungen ich erfüllen muss. Des Weiteren habe ich erfahren, welche Kompetenzen resp. Erwartungen an die Lernenden gestellt werden. Somit haben sich meine „Kenntnisse über die Effizienz einzelner mediendidaktischer Konzepte“, wie ich es eingangs formuliert habe, erweitert, sodass ich abschätzen kann, „welche Vorgehensweisen, im Bereich der Schule, tragend sind“.

Abgesehen von den inhaltlichen Zugewinn, war die Veranstaltung für mich interessant gestaltet, da das zu vermittelnde Wissen nicht nur dargestellt wurde, sondern ein Austausch zwischen einander stattgefunden hat, sodass sich eine Bandbreite an unterschiedlichsten Meinungen beziehungsweise Perspektiven gezeigt hat und dadurch den eigenen Horizont erweiterte. Das E-Portfolio selbst ließ mich zudem erkennen, dass ich in Sachen Zeitmanagement und selbstständigen Arbeiten einiges nachzuholen habe.

Reflexion über meine Erfahrungen mit dem E-Portfolio

In der Reflexion über meine Arbeit mit dem E-Portfolio habe ich mich mit den Vor- und Nachteilen beschäftigt. Einen deutlichen Vorteil und gleichzeitig auch den größten Nachteil sehe ich in der freien Gestaltung des E-Portfolios. Zwar war ich anfangs motiviert meinen Lernzuwachs so gut es geht zu dokumentieren und selbstständig an Bereichen zu arbeiten die mich interessieren, aber grade diese Freiheit in der Handhabung führte zu Unsicherheiten bei der Handhabung des E-Portfolios. Habe ich auch wirklich vielfältige Beiträge? War ich kreativ genug? Sind meine Reflexionen ausreichend? Hätte ich Exkurse mit einflechten sollen? Alles Fragen, die die anfängliche Motivation an meinem E-Portfolio zu schrieben minderten, denn manchmal reflektierten wir innerhalb der Sitzung kam über den Nutzen mancher Konzepte und wenn dann nur recht oberflächlich. Wie soll dann eine tiefgehende Reflexion in Hinblick auf den Beruf des Lehrers stattfinden, wenn ich etwas nur theoretisch kennengelernt habe? Vor allem in der Reflexion über das virtuelle Klassenzimmer merkte ich, dass meine Schlussfolgerungen und Ansichten sich gravierend erweiterten, indem ich einen praktischen Einblick bekam. Darüber hinaus fehlten mir beim Schreiben meines E-Portfolios Richtlinien, an denen ich mich orientieren konnte. Das hört sich vielleicht etwas skurril an, da es beim Arbeiten mit dem E-Portfolio um die Selbstständigkeit geht, aber etwas ganz frei entscheiden zu müssen ist für mich in Hinblick auf eine Bewertung recht schwer. Ich für mich brauche Regeln nach denen ich arbeite. Einfache Richtlinien an denen ich mich orientieren kann. Beispielsweise wäre es für mich sinnhafter gewesen, wenn gesagt worden wäre: „Schreibt jedes Mal eine Zusammenfassung der Sitzung und reflektiert über euren Erkenntniszuwachs“ oder aber „Schreibt eine Zusammenfassung der Sitzung und jedes Mal einen Exkurs zu einem Thema welches euch interessiert.“.

Ich denke, dass es ein Problem ist, welches sich auf die Selbstverantwortung des Lernenden zurückverfolgen lässt. Zwar werden im Studium Kompetenzen wie Selbstmotivation und -verantwortung geschult, aber durch das E-Portfolio merke ich, wie sehr ich daran gewöhnt bin konkrete Aufgaben umzusetzen ohne mir selbst Gedanken darüber machen zu müssen, welche Aufgabenstellungen für mich persönlich sinnvoll sein könnten. Das E-Portfolio hat mir somit (über das Seminar hinausgehend) gezeigt, dass ich selbstbestimmter werden muss und meine Zeit besser einteilen sollte, denn ein E-Portfolio ist sehr zeit- und arbeitsaufwendig und bedarf einer besonderen Fürsorge.

Schlussendlich halte ich das E-Portfolio trotz meiner angebrachten Kritik als sinnvoll, denke jedoch, dass es einer besseren Vorbereitung der Lernenden geben muss und das nicht nur im Rahmen des Seminars sondern  insgesamt an der Universität. Eine Reflexion des eigenen Lernprozess erscheint mir somit, auch für das weitere Berufsleben, als essentiell und sollte öfters  als Leistung angeboten werden.

Evaluation von MOOCs

Grundsätzlich werden MOOCs nach den „criteria of successfull networks“ von Stephen Downes bewertet. Hierzu gehören einerseits „autonomy“, „diversity“, „openness“ und „interactivity“. Wird der Mathe-MOOC von Prof. Spannnagel genauer in Betracht genommen, so lassen sich ebenfalls Qualität der Veröffentlichung, Präsentation der veröffentlichten Inhalte, Transparenz sowie Qualitätssicherung evaluieren. Vor allem bei der Präsentation der Inhalte sind didaktische Konzepte tragend. Häufig werden in MOOCs unterschiedliche neue didaktische Konzepte angewendet und somit auf ihre Wirkung resp. Effektivität hin getestet. Weiterhin auffällig am MOOC Spannnagels ist die anschauliche Aufbereitung, welche höchstwahrscheinlich ebenfalls bewertet werden kann, da eine solche essentiell für das Verständnis der Inhalte ist. Die Ermöglichung der aktiven Beteiligung, welche in die Bereiche „interactivity“ und „autonomy“ einfließt, wird ebenfalls einen großen Anteil bei der Bewertung von MOOCs haben.

Welche(r) MOOC(s) interessier(t/en) mich?

Auf der Suche nach einem MOOC, der mit meinen Interessen übereinstimmt, stellte ich mich anfangs schwer an. Meine Suche startete bei Google und endete bei iversity. Doch auch bei iversity fiel mir auf den ersten Blick nichts allzu interessantes auf. Der MOOC von Prof. Spannnagel? Interessant, aber als Abbrecher eines Mathematikstudiums, der sich geschworen hat nie wieder etwas mit Mathe zu tun haben zu wollen, wohl doch das Falsche. Insgesamt fällt mir auch auf, dass ungewöhnlich viele MOOCs sich im Bereich Marketing und Wirtschaft finden lassen. Wieder etwas was sich nicht wirklich mit meinen Interessen deckt. Ein MOOC über Karl den Großen? Schon ganz cool, aber immer noch nicht spannend genug. Es soll schließlich eine Punktlandung sein. Ich suche nach etwas, dass mich im Alltag weiterbringt; mir hilft mein Studium so gut es geht zu absolvieren.

Da plötzlich, stoße ich auf ihn, den MOOC, den ich – ohne es zu wissen – schier mein ganzes Leben lang gesucht habe. All die Stunden in denen ich unbedingt aufräumen musste, anstatt seitenlanges Geschwafel über Karl Marx Theorien zu lesen und diese auszuwerten, sind nun vorbei. Nie wieder kurz vor knapp eine Hausarbeit fertigtippen, denn jetzt habe ich den Anti-Prokrastinations-MOOC für mich entdeckt! Wie passend denke ich mir, denn in unserem Seminar geht es ebenfalls um Selbstmotivation und Zeitmanagement. Leider, so stelle ich fest, fängt der MOOC erst am 11. August an. Dennoch nehme ich mir vor, mal ein Auge rein zu werfen und bin ganz dankbar über die letzte Hausaufgabe, schließlich wäre ich sonst nie auf diesen genialen MOOC gestoßen.

Nachtrag zur achten Sitzung – Wikis

In der Sitzung, in der die Wikis thematischen Schwerpunkt bildeten, war ich abwesend, weshalb ich in diesem Beitrag versuchen möchte, das mir fehlende Wissen aufzuarbeiten, um dem Seminar gerecht zu werden.

Wikis sind übersichtliche Systeme, die es ermöglichen Inhalte in das Netz zu stellen. Das Wort „Wiki“ ist dem hawaiianischen entlehnt und bedeutet so viel wie „schnell“. Es handelt sich bei Wikis um sogenannte „Content Management Systeme“, welche von jedem Nutzer bearbeitet, ergänzt und gelöscht werden können. Ward Cunningham, ein amerikanischer Programmierer, erfand im Jahre 1995 das erste Wiki. Sein „wikiwikiweb“ behandelte das Thema Software-Entwicklung. Fast sechs Jahre später wurde das Wiki-Format durch die freie Enzyklopädie „Wikipedia“ populär.

Für die Schule, die Universität oder den Beruf eignen sich Wikis für einen schnellen, einfachen Wissensaustausch, indem beispielsweise bei dem Verfassen von Referaten und/oder Seminararbeiten, sowie die Projektkoordination, in Form einer Ideensammlung, auf Wikis zurückgegriffen wird.

Grundlage: Unbekannt: Wiki. Verfügbar über: http://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/kommunikation/wikis/. Datum des Zugriffs: 5.07.2014.

 w4bmuPueVi

Nachtrag zur sechsten Sitzung: Flipped Classroom

In der letzten Sitzung sollten wir MOOCs mit dem Konzept des Flipped Classroom vergleichen, was mir persönlich besonders schwergefallen ist, da ich in der sechsten Sitzung fehlte. Darauf basierend möchte ich versuchen, mir die Thematik des Flipped Classroom selbst zu erarbeiten und mögliche Vor- und Nachteile darzustellen.
Der Flipped Classroom oder auch „inverted classroom“ genannt ist ein Konzept, bei dem sich die Lernenden online auf einen Präsenztermin vorbereiten. Diese Vorbereitung erfolgt zumeist in Form von Videos, Podcasts oder Wikis, welche den Lernenden vom Lehrenden bereitgestellt werden. Der Präsenztermin selbst dient folglich dazu, Aufgaben zu lösen resp. tiefer in eine Thematik einzusteigen, ohne die Grundlagen noch einmal klären zu müssen. Natürlich sind die Lernenden jedoch nicht ganz auf sich selbst gestellt und können entweder in Foren Fragen stellen, oder innerhalb der Präsenzphase den Lehrenden fragen, welcher insgesamt eine unterstützende Funktion haben soll. Vorteil dieser Art des medialen Lernens ist es, mehr Zeit zur Anwendung und damit Vertiefung des Erlernten zu haben. Des Weiteren soll auf verschiedene Lernende besser eingegangen werden, indem alle Beiträge die online gestellt werden beliebig oft durchgegangen werden können und so jeder Lerner sein eigenes Lerntempo finden kann. Insgesamt soll durch diese Methode ein selbstgesteuerter Lernprozess gefördert werden, welcher – wie alle bisher behandelten medialen Lernkonzepte – ein hohes Maß an Motivation, sowie eine eigene Zeiteinteilung erfordert.
Ich persönlich halte diese Vorgehensweise einerseits als sinnvoll, da ich denke, dass selbstständiges Arbeiten und eine gute Zeiteinteilung im späteren Berufsleben eine tragende, sowie wichtige Rolle spielen. Andererseits sehe ich ebenfalls Probleme, die mit diesem Konzept in Verbindung stehen könnten. Aufgrund der verschiedenen Charaktereigenschaften eines Menschen gehe ich davon aus, dass eine so hohe Selbstmotivation, wie sie für einen erfolgreichen Flipped Classroom vonnöten ist, nicht von jedem umgesetzt werden kann. Letztendlich könnte es mit dem Anfertigen von Hausaufgaben verglichen werden. Während die einen ihr ganzes Herzensblut in eine Hausarbeit stecken und stundenlang zuhause am Schreibtisch sitzen gehen die anderen lieber mit Freunden weg und schreiben die Hausaufgaben zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn ab, ohne sich weitere Gedanken zu machen. Insofern müsste ein Bewertungssystem vorliegen, wonach sich in der Präsenzphase ein Bild von dem Lernzuwachs gemacht werden, um dann weniger motivierte Schüler(innen) ausfindig zu machen und ihnen in der Präsenzphase deutlich zu machen, wie spannend das Lernen im medienbasierten Raum ist.

Grundlage: Peters, Luka: (Gar nicht so) Neues Konzept: Flipped Classroom. Verfügbar über: http://www.edaktik.de/2011/11/gar-nicht-so-neues-konzept-flipped-classroom/. Datum des Zugriffs: 05.07.2014. 

Hier ein Video, welches ich ganz interessant finde, um sich ein Bild vom Flipped Classroom zu machen: